Arja Hyytiäinen Distance Now - Tiina Itkonen Icescapes
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Le 2008-09-14 15:10:09
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Tiina Itkonen „Icescapes“ Arja Hyytiäinen „Distance Now“
Das Forum für Fotografie präsentiert zwei sehr unterschiedliche Positionen junger finnischer Fotografen.
Tiina Itkonen (*1968) führt uns mit ihren großformatigen Bildern in die weiten Eislandschaften Nordgrönlands, die sie wiederholt bereist und fotografisch dokumentiert hat. Ihre Präsentation konzentriert sich auf die sublimen, jedoch gleichzeitig bedrohten Eisberge, spürt den subtilen Farbnuancen und Lichtstimmungen der Eis- und Schneelandschaften nach und öffnet unseren Blick für eine geographisch und ästhetisch immer noch ferne und fremde Welt.
Um der Weite der Eislandschaft gerecht zu werden, präsentiert Tiina Itkonen ihre Aufnahmen in groß dimensionierten Panoramaformaten, in die der Betrachten eintauchen kann. Von einem leicht erhöhten Standpunkt blicken wir über farbenfrohe Häuser, die wie angeschwemmtes Strandgut an der Küste liegen, sehen uns Eisbergen gegenüber, die wie fantastische Gebilde aus der Wasserfläche herausragen. Oft fehlt in diesen bizarren Eislandschaften jeglicher Maßstab. Größen und Entfernungen werden unbedeutend, was vorherrscht ist eine fremde Art von Stille und Großartigkeit. Letztere wird noch unterstrichen von einem erstaunlichen Reichtum an Farbnuancen, die man zunächst nicht vermuten würde: dunkel-violette bis grünlich-blaue Farbtöne, die sich bis zu hellem Türkis steigern.
In ihren Portraits der hier lebenden Inughuit spürt man die persönliche Nähe, die Vertrautheit, die sich zwischen ihr und den Einheimischen während ihrer wiederholten und längeren Aufenthalte entwickelt hat. Sie wird Teil eines Lebens, das einen eigenem Rhythmus folgt, in dem Zeit und Distanz keine große Rolle spielen, in dem man aber auch auf Bekanntes stößt, wie die verblichenen Heiligenbildchen und der allgegenwärtige Fernseher. Nur wenn wir zwischen spielenden Kindern den blutigen Schädel eines erlegten Eisbären und sein aufgespanntes Fell entdecken, erstaunt uns die Andersartigkeit dieses fremden aber ursprünglichen Lebens von Jägern in einer rohen Landschaft. Auf einmal bekommt das Bild eines Mädchens, das einen Holzbogen im Spiel spannt, eine ganz andere Bedeutung: Tiina Itkonen dokumentiert eine Landschaft wie auch eine Bevölkerungsgruppe, die vom ihrer Existenz bedroht ist.
„Since the beginning of the 1990s, I have been searching for my own Ultima Thule, my place in the Far North. I was enchanted by the story of the Mother of the Sea and, in 1995, it inspired me to set off for the place where the story originated in Greenland. […] When I close my eyes I am in Thule, and the silence is perfect. Bluish light dances across the snow; the icebergs glow turquoise.”
Das 2005-2007 entstandene, sehr persönliche autobiographische Projekt von Arja Hyytiäinen (*1974) „Distance Now“ reflektiert das Auseinanderbrechen einer Beziehung. Subjektiv besetzte Orte, Erfahrungsmomente und „Traumsequenzen“ bilden ein unvollständiges Puzzle aus Erinnerungsfragmenten, Selbstinszenierungen und melancholischen Stimmungsbildern von starker Symbolkraft.
In den Arbeiten von Arja Hyytiäinen dominiert das Gefühl von Verlust, mitunter durch die Gleichzeitigkeit von Enge und Leere evoziert, so zum Beispiel in dem Bild eines nackten Paares, das sich völlig emotionslos umarmt, oder das eines leeren Bettes in einem Hotelzimmer zwischen kahlen Wänden. Abstrakte Begriffe wie Anonymität und Entwurzelung werden auf einfache Weise gleichermaßen verbildlicht durch den einsamen Tisch eines Zugbistros oder in den Gesichtern, die vom Betrachter abgewandt oder durch Hände verdeckt werden, die uns in ihrer Gestik auf Gedankliches, auf Schattenseiten, auf Seelenpfade lenken. Hyytiäinens bühnenhaft wirkende Inszenierungen von Räumen oder einzelnen Menschen lesen sich wie Standfotos, die den Moment kurz vor oder nach einer Veränderung einzufrieren scheinen. Dieses Einhalten erzeugt eine Spannung, ein Abwarten, das zwischen Hoffen und Bangen oszilliert. Manchmal lässt Hyytiäinen das Abgebildete durch die Wahl extremer Perspektiven oder seltsamer Ausschnitte sogar wie Traumsequenzen erscheinen. Aus ihren Fotografien vermag der Betrachter eine fiktive Geschichte herauszulesen, die für ihn gerade dadurch an Allgemeingültigkeit gewinnt, weil sie menschliche Beziehungen rekonstruiert.
„A constructed life in an occupied house. Winter. Berlin. Stopping cars through Europe. Music, photography. Roads and forest. Fucking in public spaces. A reconstructed life in a rental apartment. Paris. The songs stayed with me. The cottage somewhere between Hungary and Slovakia and the rocks in Sweden.“
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